Seligsprechung des „Zwillingsbruders von Karl Leisner“ Kaplan Gerhard Hirschfelder am 19. September 2010 im Dom zu Münster

 

Am 19. September fand im münsteraner Paulusdom die Seligsprechungsfeier für den Glatzer Jugendseelsorger Kaplan Gerhard Hirschfelder statt.

Der Kölner Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner, leitete den festlichen Gottesdienst. Unter den Konzelebranten waren u. a. der Erzbischof von Prag, Dominik Duka, der Bischof der polnischen Diözese Schweidnitz, Ignacy Dec und der Großdechant der Glatzer Katholiken, Franz Jung.

Kard. Meisner verliest das päpstliche Seligsprechungsdekret - Foto Kirchensite.de

Gerhard Hirschfelder wurde am 17. Februar 1907 als uneheliches Kind in der Grafschaft Glatz geboren; dieser Teil der Erzdiözese Prag, der seinerzeit im deutschen Reich lag, war seelsorglich weitestgehend selbständig. 1932 zum Priester geweiht, arbeitete Gerhard Hirschfelder besonders engagiert für die katholische Jugend. Während der Nazizeit führte eine Äußerung in einer Predigt dazu, dass er von der Gestapo verhaftet und nach einigen Monaten Haft ins Konzentrationslager Dachau überführt wurde.

„Wer der Jugend den Glauben an Christus aus den Herzen reißt, ist ein Verbrecher!“ In den Tagen vor diesem Wort wurde in der Grafschaft Glatz ein religiöser Bildstock geschändet. Kpl. Hirschfelder war wegen seiner engagierten Tätigkeit unter den Jugendlichen schon lange ins Visier der Nazis geraten; er wurde verhört, seine Wohnung durchsucht, Predigten mitgeschrieben. Dieser Predigtformulierung brachte für die Gestapo am 1. August 1941 das Fass zum überlaufen.

Im Konzentrationslager Dachau arbeitet Gerhard Hirschfelder in den Schönstattpriestergruppen mit; dazu gibt es Zeugnisse eines Oplatenpaters, aus den Mitteilungen Pater Fischers und in einem Tonbandzeugnis Heinz Dresbachs. Die Biographie Hirschfelders von Hugo Goeke (Dialogverlag 2010) erwähnt diese Mitgliedschaft.

 

Während des Pontifikalamtes in Münster wurde der künftige Selige vorgestellt, der Bischof von Münster, der auch den Seligsprechungsprozeß führte, bat um die Seligspreschung und Kardinal Meisner verlas daraufhin zu Beginn der Eucharistiefeier das Dekret Papst Benedikts XVI., durch das Kpl. Hirschfelder in die Liste der Seligen der katholischen Kirche aufgenommen wird.

Anschließend stimmten alle im Dom und in zwei benachbarten Kirchen, in die der Gottesdienst übertragen wurde, das festliche Gloria an.

In seiner Predigt, deren Manuskript auf www.kirchensite.de dokumentiert ist, zeichnete Kardinal Meisner ein lebendiges Bild des neuen Seligen. Im gesprochenen Wort der Predigt nannte er Gerhard Hirschfelder einen „Zwillingsbruder Karl Leisners“ – beider Herz schlägt für die katholische Jugend, beide sind aus ähnlichen Gründen inhaftiert. Und – ich glaube nicht, dass Kardinal Meisner darum wusste – beide sind in den Schönstatt-Priestergruppen aktiv.

Besondere Wärme entstand im Gottesdienst, als deutlich wurde, wie sehr Kpl. Hirschfelder heute zu einem Brückenbauer zwischen Deutschen, Tschechen und Polen wird. Insbesondere als der Schweidnitzer Bischof zur Gedenkfeier nach Polen einlud, war das spürbar. Kpl. Hirschfelders Grab liegt ganz in der Nähe auf tschechischem Staatsgebiet in Tscheberney.

Es lohnt sich, Gerhard Hirschfelder als „Zwillingsbruder von Karl Leisner“ näher kennenzulernen. Seine Biographie könnte dazu hilfreich sein, die Berichte auf kirchensite.de und auch die kurzen Kreuzwegbetrachtungen, die er während seiner Zeit im Glatzer Gefängnis verfasst hat. Sie geben einen ganz verdichteten Einblick in seine Spiritualität und sein Denken.